Wenn ich erkläre, wie das KSK aufgebaut ist, fange ich nicht mit dem Organigramm an. Ich fange mit Fußball an. Das versteht jeder, und es trifft die Sache besser als jede Grafik.
Das Bundesliga-Bild
Stell dir einen Bundesliga-Verein vor. Es gibt einen Kader von 20 bis 30 Profis. Sie trainieren jeden Tag hart, und aus ihnen stellt der Trainer sein Team zusammen. Die Profis und ihre Leistung als Mannschaft sind das Aushängeschild des Vereins. Beim KSK sind das die Kommandofeldwebel. Der Arbeitsmuskel und das Rückgrat der Spezialkräfte.
Um die Profis herum gibt es eine Organisation, die sich um alles andere kümmert. Stadion, Rasen, Sicherheit der Fans, Reisen zum Auswärtsspiel. Beim KSK sind das die Unterstützungskräfte. Logistik, Technik, Sanität, Fernmeldewesen, Verwaltung, Ausbildung.
Es gibt die strategische Führung des Vereins, die sich um Ausrichtung, Ziele und Außendarstellung kümmert. Es gibt die operative Führung, den Sportdirektor, der mittelfristig plant, Personal steuert und Talente sucht. Und es gibt die taktische Führung, den Trainer und sein Team, die die Mannschaft trainieren, den Gegner analysieren und am Spieltag aufstellen.
Schaut man sich Bundesliga-Vereine an, findet man auf allen Führungsebenen ehemalige Profis. Das hat einen Grund: Sie kennen die Kabine. Sie vergessen das Kerngeschäft nicht. Beim KSK ist das ähnlich, und es ist wichtig. Ich nenne das Stallgeruch. Ohne ihn ist erstklassiges Personal auf der taktischen Ebene undenkbar, auf der operativen schwer zu integrieren und auf der strategischen oft überfordert.
Die Zahlen
Über 1.400 Soldaten dienen in Calw. Jeder einzelne trägt seinen Teil zur Auftragserfüllung bei. Aber die große Mehrheit von ihnen sind keine Kommandosoldaten. Sie sind dafür da, die Kommandosoldaten zu unterstützen, damit diese weltweit einsatzbereit sind.
Wie viele Kommandosoldaten es genau gibt, veröffentlicht die Bundeswehr nicht, und ich auch nicht. Es ist ein kleiner Teil. Das ist kein Mangel, sondern Prinzip. Die Auswahl ist so hart, weil die Zahl klein bleiben soll. Um 20 junge Männer in der Arktis auszubilden, braucht man eine riesige Organisation im Hintergrund. Ich bin bis heute dankbar für die vielen Kameraden aus den Unterstützungskräften, die jeden Tag die Extrameile für die Kommandokräfte gegangen sind.
Der Standort
Das KSK ist in Calw im Nordschwarzwald stationiert, in der Graf-Zeppelin-Kaserne. Aufgestellt wurde es 1996, nach der Erfahrung, dass Deutschland 1994 in Ruanda seine eigenen Staatsbürger nicht selbst evakuieren konnte und auf belgische Fallschirmjäger angewiesen war. Diese Lücke sollte nie wieder entstehen.
Calw ist eine Kleinstadt. Wer dort dient, lebt dort oder pendelt. Die Kaserne ist abgeschirmt, aber kein Geheimnis. Jeder in der Region weiß, was dort ist. Die McDonalds-Terrasse, auf der ich meine Spezialisierung per Münzwurf entschieden habe, liegt ein paar Minuten entfernt.
Die Struktur
So viel ist öffentlich: Das KSK gliedert sich in einen Stab, Kommandokompanien mit den eigentlichen Kommandosoldaten, eine Kompanie für Spezialaufgaben, Unterstützungskräfte und einen Ausbildungs- und Versuchsbereich. Die Kommandokompanien sind in Züge gegliedert, die auf verschiedene Verbringungsarten spezialisiert sind. Zu Land, aus der Luft, über Wasser, im Gebirge. Innerhalb der Züge gibt es die Kommandotrupps.
Der Kommandotrupp ist die kleinste Einheit und der Ort, an dem alles zusammenkommt. Wer wissen will, wie er aufgebaut ist, findet das in meinem Beitrag zu den Rollen im Kommandotrupp.
Der Auftrag
Was das KSK tut, steht in allgemeiner Form auf der Website der Bundeswehr. Militärische Aufklärung in Krisengebieten. Rettung und Befreiung deutscher Staatsbürger und alliierter Personen aus extremen Bedrohungslagen. Zugriff auf hochwertige Ziele. Aus- und Weiterbildung von Partnerkräften. Unterstützung anderer Kräfte in besonderen Lagen.
Der gemeinsame Nenner: Aufträge, die keine andere Einheit der Bundeswehr übernehmen kann, in einem Umfeld, das keine andere Einheit beherrscht. Kleine taktische Einsätze mit strategischer Reichweite. Wenn Spezialkräfte eingesetzt werden, hat der Erfolg oder Misserfolg fast immer politische Folgen. Deshalb ist das Grundhandwerk so wichtig. Kleine Fehler haben große Wirkung.
Die Menschen
Hinter dem KSK stehen Menschen. Männer und Frauen, die für eine gewisse Zeit dort dienen. Männer, die die Auswahl bestanden haben und die Ausbildung zum Kommandosoldaten absolviert haben. Und viele, die sie dabei unterstützen. Egal wie elitär die Auswahl ist, es ist ein Querschnitt der Gesellschaft.
Was den Verband ausmacht, sind die Kommandofeldwebel. Ihr Können, ihr Wille, ihr Mut. Sie sind in der Bundeswehr einzigartig. Meine Überzeugung ist, dass diese Experten so lange wie möglich gehalten und in alle Führungsebenen bevorzugt integriert werden sollten. Das passiert nicht immer. Das System Bundeswehr besetzt Posten oft nach Alter, nicht nach Eignung. Das ist ein Fehler, den ich in meinem ersten Buch ausführlich beschrieben habe.
Was sich ändert
Das KSK wird bald 30 Jahre alt. Es hat mehrere Reformen der Bundeswehr erlebt und eine eigene, große, nach 2020. Der Verband hat sich verändert. Die Aufträge auch. Nach zwei Jahrzehnten Auslandseinsätze richtet sich der Blick wieder auf Landes- und Bündnisverteidigung. Was das für Spezialkräfte bedeutet, wird gerade neu gedacht. Von Männern, die heute dort dienen, mit demselben Engagement, mit dem die Gründer den Verband aufgebaut haben.
Ich bin nicht mehr dabei. Aber ich weiß, wer dort ist. Das reicht mir, um ruhig zu schlafen.
EndeDanke fürs Lesen
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