Ich war 20 Jahre bei der Bundeswehr. In dieser Zeit habe ich ungefähr 20 Multitools geschenkt bekommen, ein Dutzend Taschenlampen und mehr Tarnmuster-Artikel, als ein Mensch tragen kann. Ich weiß also, was gut ankommt und was in der Schublade landet. Hier ist meine Liste. Ehrlich sortiert.
Was in der Schublade landet
Zuerst das, was man nicht schenken sollte.
Alles mit Tarnmuster, das kein Ausrüstungsgegenstand ist. Tarnfarbene Tassen, Kissen, Handyhüllen. Wer beruflich Tarn trägt, will es zu Hause nicht sehen.
Ausrüstung, die er selbst besser kaufen kann. Messer, Rucksäcke, Stiefel, Optik. Soldaten haben eigene Vorstellungen, oft sehr genaue. Die Wahrscheinlichkeit, das Richtige zu treffen, ist gering. Das Falsche wird aus Höflichkeit behalten und nie benutzt.
Alles mit Sprüchen. “Wer die Freiheit liebt” und so weiter. Nein.
Was ankommt
1. Ein Buch, das stimmt. Soldaten lesen. Sie lesen nur selten das, was andere für sie aussuchen. Was ankommt, sind Bücher von Leuten, die es selbst erlebt haben. Meine Auswahl steht in den Beiträgen zu den besten Büchern über das KSK und den besten Militärthrillern. Wer ein Buch mit deutschem Blick sucht, findet weiter unten meins.
2. Eine gute Uhr. Robust, lesbar, unauffällig. Keine Statusuhr. Eine, die man im Dreck tragen kann und die nach zehn Jahren noch läuft. Alex, der Erzähler in meinem Roman, trägt eine beige G-Shock. Das ist kein Zufall.
3. Guter Kaffee. Ernsthaft. In jedem Lager, in jeder Kaserne, in jedem Fahrzeug wird Kaffee getrunken. Meistens schlechter. Ein Beutel guter Bohnen und eine kleine Handmühle sind ein Geschenk, das täglich benutzt wird.
4. Ein Erlebnis mit Schuss. Ein Tag im Schießkino oder auf einem Schießstand mit Trainer. Das gibt es inzwischen in vielen Städten legal und gut organisiert. Für Soldaten ist es Handwerk, für Fans ein Einblick. Beide haben Spaß.
5. Etwas für die Hände. Kletterhalle, Bootcamp, Bogenschießen. Soldaten sind selten Menschen, die gern stillsitzen. Ein Gutschein für etwas Körperliches trifft besser als ein Gutschein für ein Restaurant.
6. Ein Notizbuch, das etwas aushält. Wasserfest, robust, mit Stift. Wer im Einsatz war, hat sich angewöhnt, Dinge aufzuschreiben. Das bleibt.
7. Eine Spende in seinem Namen. Es gibt Organisationen, die sich um verwundete Soldaten, Hinterbliebene und Veteranen kümmern. Eine Spende dorthin, mit einer Karte, ist ein Geschenk, das mehr sagt als jedes Multitool.
8. Ein Fototermin. Klingt seltsam, ist aber gut. Viele Soldaten haben kaum vernünftige Bilder von sich, außer Dienstfotos. Ein Termin bei einem Fotografen, der weiß, was er tut, ist ein Geschenk, das die Familie noch in 30 Jahren hat.
9. Zeit. Das meine ich ernst. Wer viel unterwegs war, hat viel verpasst. Ein gemeinsames Wochenende, ohne Programm und ohne Handy, ist für viele das, was sie sich am meisten wünschen und am seltensten bekommen.
10. Ein Multitool. Ja, trotzdem. Aber nur ein gutes und nur, wenn er noch keins hat. Fragen kostet nichts.
11. Eine Taschenlampe, die was kann. Gleiche Regel. Eine gute, keine drei billigen.
12. Ein Buch für die, die nicht lesen. Wenn der Beschenkte behauptet, er lese nicht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er nur noch nie das richtige Buch hatte. Kurze Kapitel, direkte Sprache, echte Geschichten. Dafür habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben.
Was man nach Budget schenkt
Bis 20 Euro: Ein Buch. Guter Kaffee. Ein robustes Notizbuch. Alles davon wird benutzt, nichts davon landet in der Schublade.
Bis 100 Euro: Eine gute Taschenlampe. Ein Multitool, nach vorheriger Nachfrage. Ein Gutschein für die Kletterhalle oder das Schießkino. Ein Bündel aus zwei Büchern.
Bis 500 Euro: Eine Uhr, die etwas aushält. Ein Fototermin. Ein Wochenende ohne Programm. Das Letzte ist das teuerste und das beste.
Für Partnerinnen und Partner von Soldaten
Ein Wort an die, die mit einem Soldaten leben. Ich weiß, wie schwer es ist, jemandem etwas zu schenken, der wochenlang weg ist und zurückkommt, als wäre er noch nicht ganz da. Mein Rat: Nichts schenken, was an den Dienst erinnert. Er hat davon genug. Schenk etwas, das an das Leben erinnert, das er zu Hause hat. Ein Abend, ein Ort, eine Sache, die nur euch gehört. Das ist der Grund, warum er zurückkommt.
Für Fans, die nie gedient haben
Für Menschen, die sich für Spezialkräfte interessieren, aber selbst nie Soldat waren, gilt eine andere Regel. Sie wollen verstehen. Ihnen schenkt man Zugang: ein gutes Buch, eine Dokumentation, ein Erlebnis, das einen kleinen Eindruck gibt. Kein Spielzeug, keine Verkleidung. Respekt vor der Sache ist das beste Geschenk.
Mein eigener Vorschlag
Ich wäre kein ehrlicher Autor, wenn ich meine Bücher hier nicht nennen würde. In Sicherheit leben und arbeiten ist das Sachbuch für alle, die wissen wollen, was man aus den Spezialkräften für das zivile Leben mitnehmen kann. The Assaulter ist der Roman für alle, die wissen wollen, wie es sich anfühlt. Wer beide schenkt, hat Weihnachten erledigt.
EndeDanke fürs Lesen
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