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Bücher und Militärthriller

Bücher für Männer, die sonst nicht lesen

Von Christopher Wagner

5 Kapitel · 837 Wörter4 Min. Lesezeit

Ich kenne diesen Mann. Ich war er. Bis Mitte zwanzig habe ich freiwillig kein Buch angefasst, das dicker war als eine Dienstvorschrift. Ich hatte keine Zeit, keine Geduld und die feste Überzeugung, dass Lesen etwas für andere Leute ist.

Das hat sich geändert. Nicht, weil ich mich geändert habe. Sondern weil mir irgendwann jemand das richtige Buch in die Hand gedrückt hat. Seitdem weiß ich: Männer, die nicht lesen, gibt es kaum. Es gibt Männer, die noch nicht das richtige Buch hatten.

Woran man das richtige Buch erkennt

Ich habe im Trupp, in Lagern und auf Flügen genug Männer beim Lesen beobachtet, um zu wissen, was funktioniert. Es sind immer dieselben vier Dinge.

Es passiert etwas. Auf der ersten Seite. Nicht auf Seite 40, nach der Beschreibung der Landschaft und der Kindheit des Helden. Wer nicht gern liest, gibt einem Buch zehn Seiten. Danach ist es vorbei.

Es stimmt. Männer, die etwas von der Sache verstehen, merken sofort, wenn ein Autor es nicht tut. Eine falsche Waffe, ein falscher Ablauf, ein Held, der Dinge kann, die niemand kann. Dann legt er das Buch weg und hat wieder einen Beweis, dass Lesen nichts für ihn ist.

Die Sätze sind kurz. Niemand will nach einem langen Tag Satzkonstruktionen entwirren. Kurze Sätze, klare Sprache, keine Dekoration. So, wie Männer miteinander reden, wenn niemand zuhört.

Es hat einen echten Menschen dahinter. Am besten einen, der das erlebt hat, was er beschreibt. Das spürt man auf jeder Seite. Es ist der Unterschied zwischen einem guten Buch und einem, das man weiterempfiehlt.

Acht Bücher, die funktionieren

Diese Liste ist kein Kanon. Es sind Bücher, die ich Männern gegeben habe, die “eigentlich nicht lesen”, und die zurückkamen mit der Frage, ob es noch mehr davon gibt.

Andy McNab: Bravo Two Zero. Der Klassiker. Ein SAS-Trupp im Irak 1991, alles geht schief. McNab war dabei. Kurz, hart, ohne Selbstmitleid. Wer nach 30 Seiten nicht weiterlesen will, dem kann man nicht helfen.

Marcus Luttrell: Lone Survivor. Vier Navy SEALs in Afghanistan, einer kommt zurück. Man weiß das vom Titel und liest trotzdem jede Seite mit Angst.

Chris Kyle: American Sniper. Umstritten, direkt, ehrlich in seiner Härte. Man muss den Mann nicht mögen, um das Buch nicht weglegen zu können.

Jack Carr: Terminal List. Der Anfang einer Reihe. Carr war selbst Navy SEAL und schreibt so, dass jeder Waffenträger nickt. Wer damit anfängt, liest die nächsten sechs auch.

Chris Ryan: The One That Got Away. Die andere Seite von Bravo Two Zero. Derselbe Auftrag, ein anderer Mann, eine andere Geschichte. Zusammen lesen lohnt sich.

Christian Gerstner: Unter dem Schwert. Das erste Buch, das authentisch aus dem KSK berichtet. Ein Kamerad von mir. Sachbuch, aber eines, das man wie einen Roman liest.

Christopher Wagner: In Sicherheit leben und arbeiten. Mein Sachbuch. Ich nenne es hier, weil die erste Hälfte genau das ist, was ein Nichtleser braucht: kurze Abschnitte, echte Einsätze, klare Lehren. Wer nur die ersten 60 Seiten liest, hat schon etwas mitgenommen.

Christopher Wagner und Philipp Czaya: The Assaulter. Mein Roman. Zwölf Kapitel, jedes ein Ort und eine Nacht. Kunduz, Kabul, Calw. Ein Erzähler, der 2011 als Assaulter ankommt und lernt, was das Wort wirklich bedeutet. Wir haben ihn nach den vier Regeln oben geschrieben. Ob er sie einhält, sagen dir die Leser ab Oktober.

Was nicht funktioniert

Ich habe es auch anders herum erlebt. Bücher, die gut gemeint waren und nach zehn Seiten weglagen.

Alles, was belehren will. Ratgeber über Männlichkeit, Disziplin, Erfolg. Ein Mann, der nicht liest, will nicht als Erstes lesen, was er falsch macht.

Alles, was zu dick ist. Ein 800-Seiten-Roman ist für einen Nichtleser eine Drohung, kein Geschenk. Lieber ein dünnes Buch, das er durchliest, als ein dickes, das ihn daran erinnert, dass er nicht liest.

Alles, was zu literarisch ist. Es gibt große Bücher über den Krieg, die mit langen Sätzen und inneren Monologen arbeiten. Sie sind großartig. Für den zweiten Schritt. Nicht für den ersten.

Und alles, was nicht stimmt. Ich sage es noch einmal, weil es der häufigste Fehler ist: Ein Thriller mit falschem Handwerk ist für jemanden, der das Handwerk kennt, unlesbar.

Wie man es verschenkt

Nicht mit den Worten “Du solltest mehr lesen”. Das ist ein Vorwurf, kein Geschenk.

Besser: “Das hat mir jemand empfohlen, der weiß, wovon er redet. Ich glaube, das ist was für dich.” Dann liegen lassen. Nicht nachfragen. Männer lesen, wenn niemand hinschaut.

Und noch besser: Selbst lesen, bevor man es verschenkt. Dann hat man später etwas, worüber man reden kann. Das ist am Ende der eigentliche Grund, warum man ein Buch verschenkt.

Warum Lesen für Männer, die handeln, wichtig ist

Ich habe im Dienst gelernt, dass die besten Soldaten, die ich kannte, fast alle gelesen haben. Nicht, weil sie mussten. Sondern weil sie verstanden hatten, dass man nicht alles selbst erleben kann und trotzdem alles wissen sollte. Wer liest, hat mehr Erfahrung, als er selbst gemacht hat. Das ist im Gefecht ein Vorteil. Im Leben auch.

Wer mit einem Buch aus dieser Liste anfängt, fängt richtig an.

EndeDanke fürs Lesen

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Christopher Wagner

Geschrieben von

Christopher Wagner

Über 16 Jahre Kommando Spezialkräfte, jüngster Truppführer der KSK-Geschichte, heute Sicherheitsexperte und Co-Autor von The Assaulter.

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