Die Frage nach der Ausrüstung ist die zweithäufigste, die mir gestellt wird. Gleich nach der, ob ich schon mal jemanden erschossen habe. Beide Fragen haben etwas gemeinsam: Die Antwort ist unspektakulärer, als der Fragende hofft.
Die Grenze
Zuerst die Regel, nach der dieser Beitrag geschrieben ist. Ich nenne nur, was die Bundeswehr selbst veröffentlicht hat, was im Bundestag verhandelt wurde oder was in seriöser Fachpresse steht. Was ich darüber hinaus weiß, bleibt, wo es ist. Nicht aus Geheimniskrämerei. Weil Konfigurationen, Verfahren und Details darüber entscheiden, ob Männer heil nach Hause kommen. Wer das im Netz ausbreitet, hilft niemandem außer denen, gegen die es geht.
Das bedeutet auch: Wer in Foren detaillierte Listen findet, sollte sie mit Vorsicht lesen. Entweder sie sind falsch, oder sie sollten nicht dort stehen.
Was öffentlich bekannt ist
Sturmgewehr. Lange Zeit das G36, in der kurzen Version G36K, wie ich es in Kunduz getragen habe. Mit angebautem 40-mm-Granatwerfer AG36, wenn der Auftrag es verlangte. Inzwischen wurde für die Spezialkräfte das G95 eingeführt, ein HK416 in Bundeswehr-Konfiguration. Beide Beschaffungen sind öffentlich dokumentiert.
Präzisionswaffen. Das G28 als Zwischenlösung zwischen Sturmgewehr und Scharfschützengewehr. Das G29 im Kaliber .338 für die Scharfschützen. Beides steht in Beschaffungsunterlagen, die jeder nachlesen kann.
Maschinengewehre. MG4 und MG5 in der Truppe, in den Spezialkräften je nach Auftrag.
Pistole. Es gibt eine. Welche, in welcher Ausführung, ist eine der Fragen, bei denen ich abwinke.
Schutz und Trageausstattung. Plattenträger mit ballistischen Platten, Helm mit Aufnahme für Nachtsicht, Gehörschutz mit Funkanbindung. Das Gewicht davon habe ich im ersten Kapitel meines Romans beschrieben. Es drückt den Körper in den Boden und ich habe es geliebt.
Nachtsicht. Ja. Was genau, nein.
Fahrzeuge. Vom geschützten Fahrzeug bis zum zivilen Wagen im zivilen Setup. In Kunduz haben uns die Amerikaner ihre Chinooks geliehen. Das steht so im Roman, weil es so war.
Was ich dazu sagen kann
Ich habe in meinem ersten Buch geschrieben, dass sich das gesamte Material der Spezialkräfte in den letzten 15 Jahren verändert hat. Mit zwei Ausnahmen: Panzertape und Voltaren. Das war halb im Scherz gemeint und ist trotzdem wahr. Die Technik entwickelt sich schnell. Die Beschaffung nicht.
Deshalb waren unsere Spezialisten ständig damit beschäftigt, zu schauen, was andere Nationen nutzen, zu testen und zu beschaffen. Oft von unten nach oben, gegen die Trägheit des Systems. Ein strategischer Verband muss mit seinen Bündnispartnern kompatibel sein. Nationale Alleingänge in der Ausrüstung sind keine Option.
Und ich kann sagen, was mich am meisten beeindruckt hat. Nicht die Waffen. Die Klimazonenausbildung. Egal ob Wüste, Arktis, Dschungel oder Gebirge: Unsere Taktiken und unser Material haben funktioniert. Tailored to the Mission. Jedes Teil auf den Auftrag angepasst. Um 20 Männer in Kanada für die Arktis auszubilden, braucht es eine riesige Organisation im Hintergrund. Das ist die eigentliche Ausrüstung: die Leute, die dafür sorgen, dass sie da ist.
Was Ausrüstung entscheidet
Weniger, als man denkt.
Ich habe im Einsatz gesehen, wie ein Taliban mit einer alten PKM, einem russischen Maschinengewehr aus den Sechzigern, einen Trupp mit der besten Ausrüstung der Welt für Minuten festgenagelt hat. Die Waffe war alt. Die Stellung war gut. Das hat gereicht.
Ausrüstung gibt Möglichkeiten. Sie ersetzt kein Handwerk. Schießen lernt man durch Schießen, nicht durch das bessere Gewehr. Wer sein Grundhandwerk blind beherrscht, kann mit fast allem arbeiten. Wer es nicht beherrscht, dem hilft auch das teuerste Gerät nicht.
Das gilt in der zivilen Sicherheit genauso. Ich habe Personenschützer erlebt, die mit teurer Ausrüstung im Anzug standen und im entscheidenden Moment nicht wussten, wie sie ihre Pistole ziehen. Und ich habe Kameraden erlebt, die mit einem Stift und einem Zettel ein Lagebild erstellt haben, das besser war als jede Software.
Die Ausrüstung im Roman
In The Assaulter stimmt jedes Gerät, das vorkommt. Das war eine unserer Regeln. Ein Kamerad, der das Buch liest, darf an keiner Stelle den Kopf schütteln. Deshalb steht das G36K mit AG36 drin, die beige G-Shock, die zerkratzte Oakley, der Plattenträger, das Nachtsichtgerät. Alles echt, alles öffentlich, alles so, wie es war.
Was nicht drinsteht, sind Konfigurationen, Reichweiten, Verfahren. Der Roman zeigt, wie sich die Ausrüstung anfühlt. Nicht, wie man sie einstellt. Das ist der Unterschied zwischen einem Buch und einer Anleitung.
Für die, die es genau wissen wollen
Die Bundeswehr veröffentlicht auf ihrer Website, was sie veröffentlichen will. Der Bundestag veröffentlicht, was er beschafft. Fachmagazine berichten, was sie recherchieren. Das ist die Quelle. Nicht ich, und nicht die Foren.
Wer trotzdem wissen will, wie es sich anfühlt, 30 Kilo Ausrüstung eine Nacht lang durch ein afghanisches Gebirge zu tragen, findet das ab Oktober auf Seite 12.
EndeDanke fürs Lesen
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