Jeder deutsche Soldat, der in Afghanistan war, kennt die Drohne KZO. Kleinfluggerät Zielortung. Und jeder, der in Kunduz war, kennt die Stimme. Ich hatte im Lager ein kleines Funkgerät am Mann, über das der Lagerfunk lief. Jeder Start der KZO wurde darüber angekündigt. Immer und ausnahmslos von einer männlichen Stimme mit unverkennbarem sächsischem Dialekt: In wenigen Minuten startet die Drohne KZO.
Ich weiß bis heute nicht, warum es immer dieselbe Stimme war. Aber sie war eine willkommene Bereicherung unseres Lagerlebens. Und sie ist mein Ausgangspunkt, um zu erklären, was seitdem passiert ist.
Damals
Die KZO war eine Aufklärungsdrohne. Sie flog, sie schaute, sie kam zurück. Für die reguläre Truppe war sie ein Fortschritt. Für uns war sie ein Werkzeug unter vielen, das jemand anderes bediente.
Im KSK setzten wir kleinere Drohnen eigenständig ein. Es gab eigene Teams, die sich ausschließlich damit beschäftigten, Erprobungen durchführten und den Beschaffungsprozess unterstützten. In der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung meiner Einsätze waren Drohnen irgendwann nicht mehr wegzudenken. Für bestimmte Operationen wurde ihr Einsatz sogar zum verpflichtenden Standard. Das war zweckmäßig. Es hat unseren Kampfwert jedes Mal erhöht.
Das Prinzip war einfach: Wer vor dem Zugriff sieht, was hinter der Mauer ist, hat weniger Überraschungen hinter der Tür. Die Drohne war das Auge, das man vorausschickt.
Was sich verändert hat
In den letzten Jahren hat der Einsatz von Drohnen das Gefechtsfeld verändert. Nicht ein bisschen. Grundlegend.
Aufklärung in Echtzeit. Drohnen bleiben stundenlang in der Luft und liefern Bilder, die man früher nur mit Männern im Gelände bekam. Bewegungen des Gegners verfolgen, Muster erkennen, Entscheidungen treffen. Was ein Scharfschützentrupp früher in drei Tagen Beobachtung sammelte, liefert heute ein Gerät in drei Stunden. Der Trupp wird nicht überflüssig. Aber er bekommt einen Partner.
Präzision ohne Risiko. Bewaffnete Drohnen führen Angriffe durch, ohne eigene Truppen in Gefahr zu bringen. Das hat verändert, wie Ziele angegriffen werden. Und es hat verändert, wer angreifen kann: Inzwischen kann fast jeder eine Drohne steuern, der ein Handy bedienen kann.
Elektronische Kriegsführung. Moderne Drohnen stören und hacken Kommunikation und Radar. Das ist ein strategischer Vorteil, der mit einer Waffe nichts mehr zu tun hat.
Logistik. Nachschub und medizinisches Material in Gebiete, in die niemand fahren will.
Psychologie. Die ständige Überwachung und die Bedrohung durch präzise Angriffe erzeugen Stress beim Gegner. Und sie erzeugen Sicherheit bei den eigenen Leuten. Wer weiß, dass die eigene Drohne über ihm ist, bewegt sich anders.
Warum das alles auf den Kopf stellt
Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung, die wir gerade beobachten, die Kriegsführung und die dahinterliegenden Vorschriften komplett umkrempeln wird. Kostengünstige Drohnen gegen teure militärische Ziele. Das verändert die Rechnung, auf der jede Armee aufgebaut ist.
Manche Taktiken und ganze traditionelle Einheiten waren schon vor Jahren überholt und wurden aus falschem Traditionsverständnis nicht angepasst. Die Fernspähtruppe ist ein Beispiel, das ich in meinem ersten Buch genannt habe. Das sollte schnell passieren. Und es sollte als Vorbild für andere Bereiche dienen, in denen man aus Gewohnheit an Dingen festhält, die eine Drohne besser kann.
Die andere Seite
Was ein Instrument für uns ist, ist es auch für den Gegner. Drohnen mit Sprengladungen gegen belebte Plätze, Regierungsgebäude, kritische Infrastruktur. Drohnen zur Aufklärung von Polizeieinsätzen. Drohnen bei Großveranstaltungen. Das ist keine Theorie mehr.
Die Erkennung kleiner Drohnen ist technisch schwierig, besonders in Städten. Die Unterscheidung zwischen feindlichen und legitimen Flügen ist noch schwieriger. Die Antwort besteht aus Technik, Regeln und Training: Erkennungssysteme, Abwehr, Flugverbotszonen, geschultes Personal, Zusammenarbeit der Behörden.
Aber ich warne vor einem Reflex. Wer aus Angst zu stark reguliert, bremst den Fortschritt. Eine Drohne kann missbraucht werden. Ein Messer auch. Für das Messer gibt es keine Registrierungspflicht. Prävention muss sich mit dem Gegner beschäftigen, nicht mit dem Werkzeug.
Im Buch
In The Assaulter fliegt keine Drohne im Mittelpunkt. Der Roman spielt in einer Zeit, in der die KZO noch mit sächsischem Dialekt angekündigt wurde und der Trupp mit seinen eigenen Augen aufklären musste. Das ist historisch richtig, und es macht den Unterschied zu heute sichtbar.
Im zivilen Sicherheitssektor, in dem ich heute arbeite, ist die Drohne das Werkzeug, das alles verändert hat. Für die, die schützen. Und für die, die angreifen.
EndeDanke fürs Lesen
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