Zwei Begriffe, die fast gleich klingen und in Foren ständig verwechselt werden. Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte. Der Unterschied ist ein Wort, und er entscheidet über Auftrag, Auswahl und Ausbildung. Ich erkläre ihn, weil ich beide Seiten kenne. Ich war Infanterist, bevor ich Kommandosoldat wurde.
Spezialkräfte
Spezialkräfte der Bundeswehr sind das Kommando Spezialkräfte des Heeres und die Kampfschwimmer der Marine. Sie werden für Aufträge eingesetzt, die keine andere Einheit übernehmen kann. Geiselbefreiung, Zugriff auf hochwertige Ziele, Aufklärung tief im Feindgebiet, Rettung deutscher Staatsbürger aus Krisengebieten, Aufbau von Partnerkräften. Für diese Aufträge unterstehen sie einer eigenen Führung.
Was sie ausmacht: eine eigene Auswahl, die auf den Bedarf zugeschnitten ist. Eine Ausbildung von rund drei Jahren nach der Auswahl. Eine Spezialisierung jedes einzelnen Mannes. Und ein Auftrag, der immer strategische Bedeutung hat, auch wenn er taktisch klein ist.
Spezialisierte Kräfte
Spezialisierte Kräfte sind Einheiten mit erweiterter Grundbefähigung. Das bekannteste Beispiel sind die Fallschirmjäger mit der Ausbildung EGB, Erweiterte Grundbefähigung für Spezialisierte Einsätze. Sie können luftgestützt verlegt werden, sie beherrschen das Gefecht in schwierigem Gelände, sie können Spezialkräfte unterstützen, Räume sichern, Zugriffe ergänzen, Evakuierungen durchführen.
Sie sind sehr gut. Sie sind ausgewählt und zusätzlich ausgebildet. Sie sind keine Spezialkräfte. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität des einzelnen Soldaten, sondern in Auswahl, Ausbildungsdauer und Auftrag.
Ein EGB-Fallschirmjäger durchläuft eine Ausbildung von einigen Monaten zusätzlich zu seiner Grundausbildung. Ein Kommandosoldat durchläuft eine Auswahl, die darauf angelegt ist, dass fast alle scheitern, und danach drei Jahre. Das ist kein Werturteil. Es ist eine Frage des Bedarfs. Man braucht viel mehr spezialisierte Kräfte als Spezialkräfte, und man braucht sie schneller.
Wie beide zusammenarbeiten
Im Einsatz ergänzen sie sich. Ein Kommandotrupp, der ein Objekt nimmt, braucht jemanden, der das Umfeld sichert, den Rückweg hält, Verwundete übernimmt, Gefangene bewacht. Das kann der Trupp nicht selbst leisten. Dafür sind spezialisierte Kräfte da.
Ich habe in Afghanistan mit Kameraden aus spezialisierten Verbänden zusammengearbeitet, die im Gefecht genauso gut waren wie wir. Manche besser in ihrem Fach. Der Unterschied war nie die Härte des einzelnen Mannes. Es war die Frage, wer wofür ausgebildet und vorgesehen war.
Dazu kommt: Viele Kommandosoldaten kommen aus den spezialisierten Kräften. Der klassische Weg zum KSK führt über die Fallschirmjäger, über die Infanterie, über Einheiten, in denen man das Soldatenhandwerk lernt, bevor man das Kommandohandwerk lernt. Die spezialisierten Kräfte sind das Reservoir, aus dem die Spezialkräfte schöpfen.
Warum die Verwechslung so häufig ist
Weil beide Fallschirme haben. Weil beide in Afghanistan waren. Weil beide auf Fotos ähnlich aussehen. Und weil das Wort “spezial” in beiden vorkommt.
Dazu kommt die Presse. In vielen Berichten wird jeder Soldat mit Nachtsichtgerät zum Elitesoldaten und jeder Fallschirmjäger zum KSK-Mann. Das ist für die Fallschirmjäger unfair, weil sie eine eigene Identität haben, auf die sie stolz sein können. Und es ist für das KSK unfair, weil es den Begriff Spezialkräfte verwässert.
Ich habe in meinem ersten Buch vorgeschlagen, die Bezahlung für Kommandosoldaten deutlich anzuheben und abgestufte Prämien für EGB und Fallschirmjäger einzuführen. Der Gedanke dahinter ist derselbe wie hier: Beide Gruppen sind wertvoll, beide sind verschieden, und beide verdienen, dass man sie beim richtigen Namen nennt und angemessen bezahlt.
Was das für Bewerber bedeutet
Wer zum KSK will, sollte den Weg über die spezialisierten Kräfte nicht als Umweg sehen. Er ist der Weg. Wer als Fallschirmjäger mit EGB gedient hat, kommt mit einem Handwerk nach Calw, das in der Auswahl hilft. Nicht, weil die Auswahl es abfragt. Sondern weil man mit Reserve antritt.
Und wer die Auswahl nicht besteht oder nicht will, kann in den spezialisierten Kräften ein Soldatenleben führen, das jedem Vergleich standhält. Ich habe Männer dort erlebt, die ich jederzeit neben mir gehabt hätte. Das Abzeichen ist nicht der Maßstab. Der Mann ist es.
Was das mit Tier 1 zu tun hat
Wer die amerikanische Einteilung in Tier 1 und Tier 2 kennt, erkennt das Muster. Auch dort geht es um Auftrag und Ressourcen, nicht um Härte. Die deutschen Begriffe sind präziser, weil sie keine Rangfolge behaupten. Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte sind zwei Werkzeuge. Man nimmt das, das gebraucht wird.
Im Buch
In The Assaulter geht es um Kommandosoldaten. Aber wer genau liest, sieht an mehreren Stellen, dass ein Trupp allein nichts ist. Es gibt Sicherungssoldaten aus dem Hubschrauber, die den Gefangenen übernehmen. Es gibt Kräfte, die den Rückweg halten. Sie haben keine Namen im Buch. Sie hatten im Einsatz welche. Und ohne sie wäre keine der Geschichten, die ich erzähle, gut ausgegangen.
EndeDanke fürs Lesen
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