KSK Voraussetzungen: Was ich Bewerbern sage
Mindestens einmal im Monat schreibt mir jemand, der zum KSK will. Meistens junge Männer, manchmal Väter, die für ihre Söhne fragen. Die Frage ist immer dieselbe: Was muss ich mitbringen? Hier ist die Antwort, die ich gebe. Zuerst die formale, dann die ehrliche.
Die formalen Voraussetzungen
Die Bundeswehr veröffentlicht ihre Anforderungen selbst. Ich fasse zusammen, was sich in den letzten Jahren nicht geändert hat.
Du musst Soldat sein oder werden. Das KSK ist ein Verband der Bundeswehr. Es gibt keinen Weg daran vorbei. Der klassische Weg führt über die Truppe: Man dient zuerst in einer anderen Einheit, meistens in der Infanterie oder bei den Fallschirmjägern, und bewirbt sich von dort. Inzwischen gibt es auch Wege für Bewerber ohne Vorerfahrung. Welche das aktuell sind, steht auf der Karriereseite der Bundeswehr. Das ändert sich, also schau dort nach, nicht in Foren.
Du brauchst die Gesundheit. Vollständig. Die Untersuchung ist gründlich und sie ist nicht verhandelbar. Knie, Rücken, Herz. Wer hier eine Schwachstelle hat, kommt nicht weiter, egal wie stark der Wille ist.
Du brauchst die Sportwerte. Es gibt Mindestleistungen in Ausdauer, Kraft und Schwimmen. Die konkreten Zahlen veröffentlicht die Bundeswehr. Ich sage dazu nur eines: Das sind Mindestwerte. Wer sie gerade so schafft, hat in der Auswahl keine Reserve. Und Reserve ist das, was zählt, wenn es Tag vier ist und du seit 60 Stunden nicht geschlafen hast.
Du brauchst eine Sicherheitsüberprüfung. Wer beim KSK dient, arbeitet mit Informationen, die nicht nach draußen gehören. Die Überprüfung ist entsprechend tief. Wer in seiner Vergangenheit Dinge hat, die dem entgegenstehen, sollte sich das früh eingestehen.
Du brauchst Zeit. Die Verpflichtung ist lang. Die Ausbildung dauert nach der Auswahl rund zwei Jahre, mit Spezialisierung eher drei. Die Bundeswehr investiert viel in einen Kommandosoldaten und will ihn entsprechend lange behalten.
Die Auswahl ist nicht die Bewerbung
Ein häufiger Irrtum. Die Bewerbung ist Papier. Die Auswahl ist das Eignungsfeststellungsverfahren in Calw. Dazwischen liegen Monate. Wer die Bewerbung durch hat, hat noch gar nichts. Er hat sich das Recht erarbeitet, es zu versuchen.
Ich habe die Auswahl 2008 durchlaufen. Rückblickend war sie ein Geschenk. Körperlich und geistig an die Grenze geführt, und am Ende standen noch ein paar unbeugsame Männer links und rechts neben mir. Da wusste ich: Hier bin ich richtig. Die Selektion war fachlich und rational gut. Keep it simple. War man zu schlecht, wurde man abgelöst. Ganz einfach.
Damals gab es ein Zehnwochenprogramm zur Vorbereitung. Man wurde für zehn Wochen zum KSK kommandiert und von erfahrenen Männern gezielt vorbereitet. Ich hatte das Glück, daran teilzunehmen. Das Programm gibt es in dieser Form nicht mehr. Ein Grund waren die vielen, die es als Abenteuerurlaub nutzten. Ich nannte sie Touristen. Jedem war klar, dass sie es nicht schaffen würden. Sie wollten trotzdem ein Stück des Weges mitgehen und danach erzählen, dass sie mal beim KSK waren.
Häufige Ausschlussgründe
Ich habe viele scheitern sehen. Selten am Sport. Meistens an einem dieser Punkte:
Die falsche Erwartung. Wer wegen des Abzeichens kommt, geht früh. Wer wegen des Mythos kommt, auch. Das KSK ist kein Film. Es ist harte, oft langweilige, manchmal gefährliche Arbeit mit sehr guten Leuten.
Die fehlende Reserve. Sport ist Voraussetzung, nicht Auswahlkriterium. Wer seine ganze Kraft braucht, um körperlich mitzuhalten, hat keinen Kopf mehr für das, was wirklich geprüft wird.
Der Charakter. Das ist der harte Teil. Ich habe einen Kameraden erlebt, der die Auswahl körperlich bestanden hat und trotzdem nicht in die Ausbildung kam. Die Lücke zwischen seiner Selbstwahrnehmung und der Realität war zu groß. Man hat ihm gesagt, er sei zurzeit charakterlich nicht geeignet. Aus meiner Sicht war das falsch formuliert. Er war es nicht und würde es nie sein. Das hätte man ihm sagen müssen. Stattdessen hat er es wieder und wieder versucht.
Was in keiner Anforderungsliste steht
Jetzt der ehrliche Teil.
In Calw gibt es einen Leitsatz: Der Wille entscheidet. Der Satz stimmt. Aber nur, wenn man ihn richtig liest. Wenn die Mindestvoraussetzungen erfüllt sind, entscheidet der Wille. Ohne Voraussetzungen entscheidet gar nichts. Ich halte nichts von der Aussage, jeder könne alles schaffen, wenn er nur wolle. Das ist Unsinn und es schafft falsche Erwartungen. Der kleine Junge mit zwei linken Füßen wird kein Fußballprofi, egal wie hart er trainiert.
Was ich Bewerbern deshalb sage:
Du musst es wollen, ohne dass du erklären kannst, warum. Ich war jung, suchte Orientierung und Grenzen und war ständig auf Wettkampf gebürstet. Mir war schnell klar: Entweder ich lande bei den Spezialkräften oder ich verlasse die Bundeswehr wieder. Dazwischen gab es für mich nichts. Diese Klarheit trägt durch die schlechten Tage.
Du musst mit Niederlagen umgehen können. Die Auswahl ist darauf angelegt, dich scheitern zu lassen. Immer wieder. Wer das persönlich nimmt, ist nach zwei Tagen fertig. Wer es als Information nimmt, macht weiter.
Du musst wissen, was du dafür aufgibst. Ich habe in meinen aktiven Jahren fast alles Private untergeordnet. Nach dem Einsatz war vor dem Einsatz. Das hatte einen Preis, im Freundeskreis und in der Familie. Ich würde es wieder so machen. Aber ich würde es vorher wissen wollen.
Und du musst dich fragen, ob du in einer Gruppe funktionierst, die keinen Platz für Ego hat. Der Trupp ist alles. Wer sich selbst wichtiger nimmt als den Mann neben sich, wird aussortiert. Nicht von den Ausbildern. Von den Kameraden.
Mein Rat in einem Satz
Erfülle die Voraussetzungen mit Reserve, geh mit klarem Kopf nach Calw und erwarte nichts, außer dass es schwer wird. Alles andere findest du dort heraus.
Wie es weitergeht, wenn man die Auswahl bestanden hat, steht in meinem Beitrag zur Ausbildung beim Kommando Spezialkräfte. Wie es sich anfühlt, steht in meinem Buch.