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The Assaulter.Roman

Der Weg ins KSK

KSK-Ausbildung: Auswahlverfahren und wie man KSK-Soldat wird

Von Christopher Wagner

15 Kapitel · 1.540 Wörter8 Min. Lesezeit

Die KSK-Ausbildung gilt als eine der härtesten der Bundeswehr. Wer Operator werden will, muss weit mehr mitbringen als Fitness. Dieser Beitrag erklärt allgemein, wie Auswahl und Ausbildung grundsätzlich aufgebaut sind, welche Anforderungen wirklich zählen und warum am Ende nur wenige übrig bleiben.

Wie wird man KSK-Soldat?

KSK-Soldat wird man ausschließlich als bereits dienender Soldat der Bundeswehr: Man bewirbt sich intern, durchläuft ein mehrstufiges Auswahlverfahren und im Erfolgsfall anschließend die mehrjährige Kommandoausbildung. Eine direkte Bewerbung von außen gibt es nicht. Vorausgesetzt werden unter anderem die deutsche Staatsangehörigkeit, eine bestandene Sicherheitsüberprüfung, überdurchschnittliche körperliche Leistungsfähigkeit und mehrere Jahre soldatische Erfahrung. Nur ein kleiner Teil der Bewerber besteht die Auswahl.

Der Weg dauert damit Jahre und nicht Monate. Wer sich dafür interessiert, führt das Gespräch zuerst in der eigenen Einheit; über die formalen Voraussetzungen informiert die Bundeswehr selbst. Was das Verfahren inhaltlich verlangt, steht in den folgenden Abschnitten.

Warum ist die KSK-Auswahl so hart?

Das Kommando Spezialkräfte wurde 1996 aufgestellt und ist in Calw stationiert. Spezialkräfte werden für Aufgaben ausgebildet, die konventionelle Truppen so nicht leisten können. Solche Aufgaben verzeihen keine Schwächen. Deshalb beginnt jede Laufbahn nicht mit der Ausbildung, sondern mit einer harten Auswahl. Sie soll herausfinden, wer unter langer Belastung noch klar denkt, im Team funktioniert und auch dann weitermacht, wenn es einfacher wäre, aufzugeben. Öffentlich bekannt ist: Nur ein kleiner Teil der Bewerber besteht.

Die Auswahl ist bewusst kein einmaliger Test, den man mit Tagesform besteht. Sie zieht sich, sie zermürbt, und sie prüft dadurch etwas, das man in einem kurzen Test nicht sehen würde: Beständigkeit.

Welche körperlichen Anforderungen gelten?

Körperliche Leistungsfähigkeit ist Voraussetzung, nicht Ziel. Wer sich bewirbt, muss ausdauernd, kräftig und belastbar sein, denn ein Großteil der Aufgaben findet unter körperlicher Höchstbelastung statt: lange Märsche mit Gepäck, Bewegung in schwierigem Gelände, Handeln bei Kälte, Hitze und Erschöpfung. Doch reine Kraft entscheidet nichts. Entscheidend ist, unter Erschöpfung verlässlich zu bleiben, wenn der Körper längst aufhören will.

Wie wichtig ist mentale Belastbarkeit?

Die härteste Anforderung ist selten die körperliche. Typisch für Spezialkräfte weltweit ist eine Kombination aus körperlicher Belastung, Schlaf- und Nahrungsentzug, Orientierungsaufgaben und ständiger Unsicherheit darüber, wie lange es noch dauert. Genau diese Unsicherheit ist Absicht. Sie trennt jene, die aufgeben, von jenen, die weitermachen, obwohl sie nicht wissen, wann es endet. Wer nur auf ein Ziel zuläuft, das er sieht, ist hier im Nachteil. Gefragt ist, weiterzugehen, ohne das Ende zu kennen.

Wie läuft das KSK-Auswahlverfahren ab?

Das Auswahlverfahren ist mehrstufig und dauert. Es prüft nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern vor allem Kopf und Wille. Über die Stufen hinweg entsteht ein Bild davon, wie ein Mensch unter Druck entscheidet, wie er mit Rückschlägen umgeht und ob er im Team funktioniert oder nur für sich. Entscheidend ist dabei nicht, der Schnellste oder Stärkste zu sein. Entscheidend ist Verlässlichkeit über die Zeit, auch dann, wenn niemand zusieht.

Die Ausbildungsphasen im Überblick

Vom Entschluss bis zum Kommandoabzeichen führt der Weg nach Angaben der Bundeswehr über diese Stationen:

  1. Soldat werden. Bewerben kann sich nur, wer bereits in der Bundeswehr dient. Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee dürfen höchstens 32 Jahre alt sein und müssen mindestens zwei Jahre gedient haben, Unteroffiziere mit Portepee höchstens 35. Offiziere werden vom Leutnant bis zum Hauptmann zugelassen.
  2. Vorbereitung in Eigenverantwortung. Bewerber trainieren selbstständig, auf Wunsch nach einem individuellen Trainingsplan der Sportlehrer des KSK.
  3. Potenzialfeststellungsverfahren, Phase 1. Eine Woche Sporttests sowie psychologische und kognitive Tests. Zu den Mindestanforderungen gehören ein Intervalllauf über fünfmal 1.000 Meter, sieben Klimmzüge, 200 Meter Schwimmen im Kampfanzug in höchstens 7:30 Minuten und 20 Kilometer Marsch mit 20 Kilogramm Gepäck in höchstens 3,5 Stunden.
  4. Phase 2, die Härtewoche. Eine Woche Aufgaben unter körperlicher und psychischer Höchstbelastung. Ob es gereicht hat, erfahren die Teilnehmer erst am Ende.
  5. Phase 3, nur für Offiziere. Hier geht es vor allem um Führungsfähigkeit in Extremsituationen.
  6. Basisausbildung zum Kommandosoldaten. Zwei Jahre mit Lehrgängen in verschiedenen Ländern: Schießen, eine mehrwöchige Sanitätsausbildung, Sprengausbildung, eine arktische Klimazonenausbildung in Nordamerika bei bis zu minus 40 Grad und ein mehrwöchiger Lehrgang zum Vorgehen im urbanen Umfeld. Wer alle Module und die Abschlussübung besteht, erhält das Kommandoabzeichen.
  7. Spezialisierung. Danach folgt die Spezialisierung, etwa zum Medic, Fernmelder, Breacher oder Scharfschützen. Zusammen sind das nach der Erfahrung von Christopher Wagner rund drei Jahre reine Ausbildung.

Was hat sich an der Auswahl geändert? Die Härtewoche

Im Januar 2024 hat die Bundeswehr das umgestellte Auswahlverfahren beschrieben. Es heißt Potenzialfeststellungsverfahren, kurz PFV, früher Eignungsfeststellungsverfahren, und findet zweimal im Jahr statt, im April und im Oktober. Die wichtigsten Änderungen nach Angaben der Bundeswehr:

  • Einzeltestung. Jeder Bewerber wird für sich bewertet. So soll sich kein geeigneter Bewerber für die Gruppe aufreiben und kein ungeeigneter in ihr verstecken.
  • Höhere Mindestwerte in Phase 1. Sie stützen sich auf statistische Daten. Wer sie erfüllt, soll eine realistische Chance auf die folgenden Phasen haben, eine Garantie ist das nicht.
  • Vorbereitung in Eigenverantwortung statt des früheren Zehn-Wochen-Programms. Schon die Vorbereitung soll Eigenständigkeit und Motivation zeigen.
  • Die Härtewoche als Phase 2. Aufgaben unter Schlafentzug, Nahrungsknappheit, Zeitdruck, Dunkelheit, Kälte, Enge, im Wasser und in der Höhe. Die Bewerber tragen einen Sender, ihre medizinischen Werte werden rund um die Uhr überwacht, in Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr München. Ausbilder und Psychologen begleiten und bewerten sie ununterbrochen.
  • Klare Regeln. Wer aufgibt, ist für zwei Jahre gesperrt. Wer betrügt, wird dauerhaft vom Verfahren ausgeschlossen. Die Inhalte der Phase 2 werden immer wieder verändert.

Was diese Woche im Kopf verlangt, beschreibt Christopher Wagner im Beitrag Warum Fitness beim KSK das kleinste Problem ist.

Was passiert in der Kommandoausbildung?

Wer die Auswahl besteht, hat noch lange nicht ausgelernt. Es folgt eine lange, umfangreiche Kommandoausbildung, in der die eigentlichen Fähigkeiten vermittelt werden. Sie umfasst ein breites Spektrum, das je nach Aufgabe stark variiert, von allgemeinen Grundfertigkeiten bis zu Spezialisierungen. Der rote Faden bleibt derselbe: Abläufe werden so lange geübt, bis sie unter Druck sitzen. Nicht, um starr zu sein, sondern um handlungsfähig zu bleiben, wenn sich die Lage ändert.

Ausbildung heißt hier nicht nur Wissen, sondern Verantwortung. Wer lernt, mit gefährlichen Mitteln und in gefährlichen Lagen umzugehen, lernt zuerst, wann man sie nicht einsetzt.

Wie lange dauert die KSK-Ausbildung?

Die KSK-Ausbildung dauert Jahre, nicht Monate. Schon das Auswahlverfahren zieht sich über mehrere Stufen und Monate hin. Wer es besteht, beginnt danach die Kommandoausbildung, die in der Regel mehrere Jahre umfasst und je nach Spezialisierung unterschiedlich lang ausfällt. Vollwertiger Kommandosoldat ist man also erst nach einem langen Weg.

Hinzu kommt die Zeit davor: Bewerber sind bereits Soldaten mit mehreren Dienstjahren. Rechnet man Truppenerfahrung, Auswahl und Kommandoausbildung zusammen, vergehen vom Diensteintritt bis zum ersten Einsatz als Kommandosoldat viele Jahre. Feste Monatszahlen veröffentlicht die Bundeswehr nicht für jede Stufe; die Größenordnung ist aber öffentlich bekannt.

Welcher Charakter wird gesucht?

Spezialkräfte arbeiten in kleinen Teams, in denen jeder sich auf jeden verlassen muss. Gefragt sind Menschen, die Verantwortung übernehmen, ehrlich mit eigenen Fehlern umgehen und im entscheidenden Moment ruhig bleiben. Ego ist an dieser Stelle gefährlich. Wer sich selbst wichtiger nimmt als den Auftrag und das Team, ist ungeeignet, egal wie fit er ist.

Diese Mischung aus Härte gegen sich selbst und Verlässlichkeit gegenüber anderen ist es, die eine Auswahl finden soll. Sie lässt sich nicht antrainieren, nur offenlegen.

Warum scheitern so viele Bewerber?

Die hohe Zahl derjenigen, die das Verfahren nicht bestehen, ist kein Makel des Systems, sondern sein Zweck. Ein Auswahlverfahren, das fast jeder besteht, hätte seine Aufgabe verfehlt. Menschen scheitern nicht, weil sie schwach sind, sondern weil die Anforderungen bewusst so hoch liegen, dass nur wenige sie über die gesamte Distanz erfüllen. Wer aufgibt, trifft oft eine vernünftige Entscheidung. Wer bleibt, hat bewiesen, dass er auch dann weitermacht, wenn es keinen Applaus dafür gibt.

Wie hoch ist die Durchfallquote?

Eine allgemeingültige Durchfallquote veröffentlicht die Bundeswehr auf ihren Seiten zum KSK nicht. Einen Anhaltspunkt liefert sie aber selbst: In dem Durchgang, über den sie im Januar 2024 berichtet hat, traten 32 Bewerber an, am Ende bestand ein Drittel das Potenzialfeststellungsverfahren. Zwei von drei schieden also schon in der Auswahl aus. Der Behörden Spiegel nennt ebenfalls etwa ein Drittel erfolgreiche Bewerber.

Bestanden heißt dabei noch nicht angekommen. Das Verfahren zeigt nach Angaben der Bundeswehr nur, dass jemand das Potenzial zum Kommandosoldaten hat; ob er auch die Eignung besitzt, zeigt sich erst in der zweijährigen Ausbildung danach. Wie viele dort noch ausscheiden, nennen die Quellen nicht.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Auch nach der Ausbildung endet das Training nie. Fähigkeiten müssen gehalten, verbessert und an neue Lagen angepasst werden. Erfahrung entsteht über Jahre, nicht über einen Lehrgang. Wer über 16 Jahre in einer solchen Einheit dient, hat einen großen Teil seines Lebens dem Können und dem Team gewidmet, mit allem, was das bedeutet: Trennung von zu Hause, Verantwortung und Eindrücke, die bleiben.

Was das mit The Assaulter zu tun hat

Der Roman The Assaulter lebt von genau diesem Hintergrund. Co-Autor Christopher Wagner hat diesen Weg selbst durchlaufen und wurde mit 27 zum jüngsten Truppführer der KSK-Geschichte. Wenn im Buch von Druck, Auswahl und Verantwortung die Rede ist, dann nicht aus zweiter Hand. Wer verstehen will, was diese Ausbildung mit einem Menschen macht, findet im Roman die ehrlichste Antwort. Mehr zum grundsätzlichen Ablauf eines Einsatzes liest du im verlinkten Beitrag.

Quellen

EndeDanke fürs Lesen

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Christopher Wagner

Geschrieben von

Christopher Wagner

Über 16 Jahre Kommando Spezialkräfte, jüngster Truppführer der KSK-Geschichte, heute Sicherheitsexperte und Co-Autor von The Assaulter.

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