CQB. Drei Buchstaben, die in jedem Forum, jedem Spiel und jedem Film vorkommen, in dem Männer mit Gewehren durch Türen gehen. Close Quarters Battle. Kampf auf kurze Distanz. Ich habe es Jahre lang trainiert und im Einsatz angewendet. Hier ist, was dahintersteckt, und was nicht in einen Blog gehört.
Was der Begriff bedeutet
Close Quarters Battle beschreibt den Kampf in engen Räumen. In Gebäuden, Fahrzeugen, Schiffen, Höhlen. Überall dort, wo die Entfernung zum Gegner in Metern gemessen wird, nicht in Hunderten von Metern. Manchmal steht auch CQC, Close Quarters Combat. Gemeint ist dasselbe.
Der Begriff kommt aus dem Englischen, wie der ganze Zeichenvorrat der Spezialkräfte. Er ist bewusst technisch. Er beschreibt eine Situation, keine Heldentat.
Warum Räume gefährlicher sind als offenes Gelände
Im offenen Gelände hat der Trupp Distanz, Übersicht und Zeit. Er sieht den Gegner, bevor der Gegner ihn sieht, wenn er gut ist. Er kann sich entfalten, Deckung nutzen, Feuer und Bewegung kombinieren.
Im Gebäude ist alles davon weg. Die Distanz ist null. Die Übersicht endet an der nächsten Wand. Die Zeit ist der Bruchteil einer Sekunde. Und der Gegner hat einen Vorteil, den er draußen nie hat: Er kennt den Raum. Er weiß, wo die Tür ist, wo der Schrank steht, wo er sich hinstellen muss. Der Trupp weiß nichts davon.
Dazu kommt: In Gebäuden sind Menschen. Nicht nur Gegner. Familien, Kinder, Geiseln. In Kunduz haben wir in einem Verschlag im Hof zwanzig Frauen und Kinder gefunden, die niemand auf dem Aufklärungsbild gesehen hatte. Im Gebäude entscheidet man in Sekundenbruchteilen, wer wer ist. Das ist die eigentliche Schwierigkeit. Nicht das Schießen. Das Nichtschießen.
Die Prinzipien
Ich beschreibe hier Prinzipien, keine Verfahren. Prinzipien stehen in jedem Lehrbuch und in jeder Dokumentation. Verfahren stehen nirgends, und das bleibt so.
Überraschung. Der Gegner darf nicht wissen, wann und wo der Trupp kommt. Sobald er es weiß, ist der wichtigste Vorteil weg. Deshalb ist alles, was vor der Tür passiert, so leise wie möglich. Und deshalb war das Hundegebell in Kunduz ein so schlechtes Zeichen.
Tempo. Vom Öffnen der Tür bis zur Kontrolle des Raumes vergehen Sekunden. Nicht, weil man es eilig hat, sondern weil jede Sekunde dem Gegner gehört. Tempo bedeutet nicht Rennen. Es bedeutet, keine Zeit zu verschenken.
Entschlossenheit. Wer im Raum zögert, ist das Ziel. Der Trupp handelt, sobald er drin ist. Jede Bewegung ist vorher festgelegt, jeder Mann kennt seinen Sektor. Es gibt im Raum keine Diskussion. Sie hat vorher stattgefunden.
Feuerkontrolle. Das ist der Teil, der am wenigsten gezeigt und am meisten trainiert wird. Wer schießt, wann, auf wen, und vor allem: wer nicht. Ein Trupp, der im Raum jeden erschießt, der sich bewegt, ist keine Spezialeinheit. Er ist ein Problem.
Kommunikation. Wenig Worte, klare Bedeutung. Ein Wort für “Raum sicher”. Ein Wort für “Gegner”. Ein Wort für “Verwundeter”. Alles andere ist Handzeichen oder Blick. Wer im Raum redet, hört nicht.
Warum trainiert wird, bis es langweilig ist
Ich habe in meinem ersten Buch geschrieben, dass man einer Tätigkeit keinen besonderen Wert mehr geben muss, wenn man sie beherrscht. Dann wird sie zum Automatismus, und der Kopf ist frei für alles andere. Für den Raum, den Gegner, das Kind in der Ecke.
Genau das ist das Ziel im CQB-Training. Der Ablauf im Raum muss so tief sitzen, dass er ohne Denken funktioniert. Tausendfach geübt, im Schießhaus, mit Farbmunition, mit scharfer Munition, bei Tag, bei Nacht, mit Nachtsicht, ohne. Bis es langweilig wird. Bis der Körper es macht, während der Kopf beobachtet.
Wer das zum ersten Mal sieht, ist enttäuscht. Es sieht nicht spektakulär aus. Es sieht aus wie Männer, die ruhig durch Räume gehen. Das ist der Punkt. Spektakulär ist, wenn etwas schiefgeht.
Was CQB nicht ist
Es ist nicht das, was in Spielen passiert. Dort ist der Raum bekannt, der Gegner markiert und der Tod folgenlos. Es ist nicht das, was in Filmen passiert. Dort reden die Männer im Raum, drehen sich um und haben Zeit für Sprüche.
Und es ist nicht das, was in Foren beschrieben wird. Wer dort detaillierte Verfahren findet, liest entweder etwas Falsches oder etwas, das dort nicht stehen sollte. Beides ist ein Grund, es nicht zu glauben.
Im Roman
Es gibt in The Assaulter mehrere Szenen in Gebäuden. Der Zugriff in Kunduz. Die Botschaft in Kabul. Ein Safehouse. Philipp und ich haben sie so geschrieben, dass ein Leser spürt, wie es sich anfühlt: die Enge, die Dunkelheit, das Nachtsichtgerät, das Gewicht, die Stille davor und den Lärm danach.
Was nicht drinsteht, ist das Wie. Keine Reihenfolgen, keine Positionen, keine Winkel. Wer den Roman als Anleitung liest, wird nichts finden. Wer ihn als Erfahrung liest, wird alles finden.
Unsere Einheit funktionierte wie ein gnadenloses Uhrwerk, sagt Alex nach dem ersten Zugriff. Innerhalb von ein paar Minuten war das Gebäude genommen. So kurz ist der Satz. So lang ist das Training dahinter.
EndeDanke fürs Lesen
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