Was ist ein Assaulter? Die Rollen im Kommandotrupp

Mein Buch heißt The Assaulter. Die erste Frage, die mir fast jeder stellt, ist dieselbe: Was bedeutet das eigentlich? Die Antwort ist kurz. Die Erklärung dahinter nicht.

Das Wort

Assault heißt Angriff. Ein Assaulter ist der Mann, der angreift. In der Sprache der Spezialkräfte ist er der Soldat, der in ein Objekt eindringt und den Raum nimmt. Nicht aus der Distanz. Nicht vom Bildschirm aus. Mit den Füßen im Gebäude.

Der Begriff kommt aus dem Englischen, wie fast alles in unserer Welt. Die Spezialkräfte der NATO arbeiten mit einem gemeinsamen Zeichenvorrat. Gleiche Begriffe, gleiche Verfahren. So kann ein deutscher Trupp mit einem amerikanischen oder britischen Team arbeiten, ohne dass jemand lange erklären muss, was gemeint ist. Assault Team. Assault Force. Assaulter. Das versteht jeder, in jeder Sprache.

Beim KSK heißt das offiziell anders. Kommandosoldat im Angriffszug. Angriffssoldat. Wir haben untereinander Assaulter gesagt. Es war kürzer und es klang besser. In meinem Roman sagt Alex es so: Ich war im Assault Team des KSK angekommen. Oder etwas cooler formuliert: Ich war Assaulter.

Der Trupp

Die kleinste Einheit im KSK ist der Kommandotrupp. Eine Handvoll Männer, die alles miteinander teilen. Den Zelteingang, die Munition, die Verantwortung. Jeder von ihnen ist Kommandosoldat. Jeder hat dieselbe Grundausbildung hinter sich: Schießen, Nahkampf, Verbringung zu Land, Luft und Wasser, Aufklärung, Klimazonen von der Arktis bis zur Wüste.

Darüber hinaus hat jeder eine Spezialisierung. Medic, Fernmelder, Waffenfeldwebel, Breacher, Pionier. In meinem ersten Buch habe ich beschrieben, wie ich zu meiner gekommen bin. Ein Kamerad und ich mussten uns entscheiden. Einer Medic, einer Funker. Keiner wollte Funker werden. Wir haben eine Münze geworfen, auf der Terrasse bei McDonalds in Calw. Ich habe verloren. Er wurde Medic, ich Funker.

So läuft das manchmal. Der Trupp braucht alle Fähigkeiten. Wer welche übernimmt, entscheidet sich nicht immer nach Neigung.

Die Rollen

Der Assaulter. Er ist der Kern. Wenn ein Objekt genommen wird, ist er der Erste durch die Tür. Er arbeitet auf kurze Distanz, oft im Dunkeln, oft in Räumen, die er noch nie gesehen hat. Sein Handwerk ist Schießen unter Stress, Bewegung im Gebäude, Entscheidung in Sekundenbruchteilen. Alles, was er tut, hat er vorher tausendfach gedrillt. Im Einsatz gibt es keine Zeit, nachzudenken. Der Drill entscheidet.

Der Breacher. Er öffnet. Türen, Tore, Wände, Fenster. Mechanisch, ballistisch oder mit Sprengmitteln. Die Tür ist der gefährlichste Punkt jeder Operation, weil dahinter alles sein kann. Der Breacher entscheidet, wie schnell und wie laut der Trupp hineinkommt. Im Roman heißt dieser Mann Diesel. Wer ihn kennenlernt, versteht, warum Breacher meist einen besonderen Humor haben.

Der Scharfschütze. Er bewegt sich anders als der Assaulter. Langsamer, weiter weg, mit mehr Geduld. Sein Auftrag ist zuerst Beobachten, dann Sichern, erst zuletzt Schießen. Im ersten Kapitel meines Romans läuft Alex mit den Scharfschützen mit, statt mit seinem Angriffsteam. Das ist ihm ungewohnt. Scharfschützen und Assaulter denken nicht gleich. Beide sind notwendig.

Der Medic. Er ist ausgebildet, um weit weg von jeder Klinik zu arbeiten. Ein Polizei-Medic übergibt seinen Verletzten nach wenigen Minuten an einen Rettungswagen. Unser Medic musste damit rechnen, einen Kameraden über Stunden am Leben zu halten, ohne Infrastruktur, ohne Arzt in der Nähe. Das prägt die Ausbildung und es prägt den Mann.

Der Fernmelder. Er hält die Verbindung. Zum Trupp, zur Führung, zum Hubschrauber. Ich habe diese Rolle nie geliebt, aber ich habe im Gefecht verstanden, warum sie über Leben entscheidet. Wer den Medevac anfordert, muss Funk haben. Ohne Verbindung ist der beste Trupp allein.

Der Truppführer. Er führt. Er plant, er entscheidet, er trägt es. Ich wurde mit 27 Truppführer. Man sagt, das sei der Ritterschlag. Es war vor allem Verantwortung für Männer, die teilweise älter und erfahrener waren als ich. Darüber habe ich an anderer Stelle geschrieben.

Warum die Rollen wechseln

Die wenigsten Pläne überleben den ersten Kontakt mit der Realität. Das lernt man früh. Ein Auftrag verlangt heute zwei Scharfschützen und morgen keinen. Ein Medic fällt aus. Ein Fahrzeug bleibt liegen. Dann macht der Assaulter, was gerade gebraucht wird.

Das geht nur, weil jeder das Grundhandwerk blind beherrscht. Schießen lernt man durch Schießen. Wer sein Handwerk nicht mehr denken muss, hat den Kopf frei für alles andere. Für das Gelände, den Gegner, den Kameraden neben sich. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Spezialisten und einem Kommandosoldaten. Der Spezialist kann eine Sache sehr gut. Der Kommandosoldat kann alle Sachen gut genug, um jederzeit einzuspringen.

Assaulter, Operator, Kommandosoldat

Drei Wörter, die oft durcheinandergehen. Kommandosoldat ist die deutsche Bezeichnung. Sie beschreibt jeden, der die Ausbildung beim KSK bestanden hat und das Abzeichen trägt, egal welche Spezialisierung. Operator ist das amerikanische Wort dafür. Es meint dasselbe: der Mann, der operiert, also den Auftrag durchführt. Assaulter ist enger. Er beschreibt die Rolle im Angriff, nicht den Status.

Jeder Assaulter ist Kommandosoldat. Nicht jeder Kommandosoldat ist in jedem Moment Assaulter. Der Scharfschütze, der drei Kilometer entfernt auf einem Hügel liegt, ist derselbe Kommandosoldat. Er macht in diesem Moment etwas anderes. Morgen tauschen sie vielleicht.

Wer das verstanden hat, versteht auch, warum die Ausbildung so lang ist. Es reicht nicht, eine Sache zu können. Man muss alle können und dann eine besonders gut.

Was der Begriff im Buch bedeutet

Assault is a Lifestyle. Das war unser Motto. Es beschreibt keine Rolle, sondern eine Haltung. Wer angreift, wartet nicht. Er stellt sich dem Problem, geht durch die Tür und löst die Lage. Das gilt im Gefecht. Es gilt später auch im Zivilleben, wenn die Türen aus Glas sind und die Gegner Krawatten tragen.

Genau deshalb steht das Wort im Titel. Der Roman erzählt die Geschichte von Alex, der 2011 in Kunduz ankommt und in den Jahren danach lernt, was Angreifen wirklich bedeutet. Nicht nur mit dem Gewehr. Auch mit dem Kopf. Und irgendwann mit der Frage, was von einem übrig bleibt, wenn man das eine Leben abgibt und ein anderes anfängt.

Ein Assaulter ist also nicht der Mann, der am lautesten schießt. Es ist der Mann, der als Erster hineingeht. Alles Weitere steht im Buch.

Christopher Wagner
Christopher Wagner

Über 16 Jahre Kommando Spezialkräfte, jüngster Truppführer der KSK-Geschichte, heute Sicherheitsexperte und Co-Autor von The Assaulter. Mehr erfahren.

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