KSK Gehalt: Eine ehrliche Antwort

Zu kaum einer Frage findet man im Netz so viele falsche Antworten wie zu dieser. Die einen erzählen von Spitzengehältern, die anderen von Hungerlöhnen. Ich nenne hier meine eigene Zahl. Dann kann sich jeder sein Bild machen.

Wie Soldaten bezahlt werden

Soldaten bekommen kein Gehalt, sie bekommen Besoldung. Der Unterschied ist mehr als ein Wort. Die Besoldung richtet sich nach dem Dienstgrad, nicht nach der Leistung und nicht nach dem Risiko. Ein Feldwebel in einer Schreibstube in Koblenz und ein Feldwebel im Kommandotrupp in Kunduz stehen in derselben Tabelle.

Die Tabelle heißt Bundesbesoldungsordnung A. Feldwebel bewegen sich in den Gruppen A7 bis A9, Stabsfeldwebel darüber. Offiziere beginnen bei A9 und steigen mit dem Dienstgrad. Innerhalb jeder Gruppe gibt es Erfahrungsstufen, die mit den Dienstjahren wachsen. Die Tabellen sind öffentlich. Jeder kann nachschauen.

Was den Unterschied macht, sind die Zulagen.

Die Zulagen

Kommandosoldaten bekommen eine Stellenzulage für den Dienst in den Spezialkräften. Intern hieß sie bei uns Kommandozulage. Dazu kommt die Fallschirmspringerzulage, weil das Springen zur Ausbildung gehört. Im Einsatz kommt der Auslandsverwendungszuschlag hinzu, gestaffelt nach der Gefährdung im Einsatzland. Wer viel im Einsatz ist, verdient spürbar mehr als in Calw.

Abgezogen wird auch etwas. Wer in der Kaserne wohnt, zahlt eine Unterkunftspauschale. Wer Familie hat, bekommt Familienzuschlag. Ledige nicht.

Meine Zahl

Ich habe in meinem ersten Buch meine Abrechnung offengelegt. Ich wiederhole sie hier, weil sie mehr sagt als jede Tabelle.

Ich war 37 Jahre alt, ledig, keine Kinder. Besoldungsgruppe A9 mit Amtszulage. Dazu Kommandozulage und Fallschirmspringerzulage, abzüglich der Unterkunftspauschale. Netto blieben 3.615,74 Euro im Monat.

Das war das Grundgehalt eines Kommandofeldwebels mit über einem Jahrzehnt Erfahrung, mit mehr als tausend Tagen in Einsätzen, ausgebildet in einer der teuersten und längsten Ausbildungen, die die Bundeswehr zu bieten hat. Ohne Einsatz. Ohne Zuschlag. 3.615,74 Euro.

Zum Vergleich: Ein Berufseinsteiger im mittleren Management eines Konzerns verdient das auch. Ohne Schlafentzug, ohne Beschuss, ohne die Frage, ob er in sechs Monaten noch alle Gliedmaßen hat.

Ein Dienstjahr in Zahlen

Ein Beispiel, ohne Anspruch auf den Cent. Ein Kommandofeldwebel verbringt in einem guten Jahr vier bis sechs Monate im Einsatz oder in einsatzgleichen Verpflichtungen. In dieser Zeit kommt der Auslandsverwendungszuschlag dazu, steuerfrei, gestaffelt nach Stufe. Dazu die Möglichkeit, das Geld nicht auszugeben, weil es im Lager nichts zu kaufen gibt.

Das Ergebnis: Ein Einsatzjahr bringt netto spürbar mehr als ein Jahr in Calw. Manche Kameraden haben so ihr Haus abbezahlt. Der Preis dafür steht nicht auf der Abrechnung. Er steht zu Hause, bei denen, die ein halbes Jahr allein waren.

Wer sich für die Rechnung interessiert, sollte sie ehrlich machen. Nicht nur Grundgehalt gegen Zulage. Sondern auch Zeit gegen Geld. Und Risiko gegen beides.

Warum das zu wenig ist

Ich weiß, dass dieses Thema selbst intern kontrovers diskutiert wird. Es gibt Stimmen, die gegen eine deutliche Erhöhung der Kommandozulage sind. Die alte Romantik: Beruf kommt von Berufung. Soldat sein sei eine Frage des Patriotismus, nicht des Geldes.

Das ist falsch. Soldat ist ein Beruf. Kommandosoldat auch. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, das Arbeitsklima passt und der Lifestyle gefällt, dann muss am Ende auch die Bezahlung stimmen. So funktioniert jeder Arbeitsvertrag. Warum sollte das bei den besten Soldaten des Landes anders sein?

Ich habe in meinem Buch eine Wette angeboten. Verdient ein Kommandofeldwebel 120.000 Euro netto im Jahr, sind in fünf Jahren alle Dienstposten voll. Mehr Geld heißt mehr Bewerber. Mehr Bewerber heißt mehr Auswahl. Mehr Auswahl heißt bessere Leute. Und wer schon drin ist, bleibt länger. Das ist keine Sozialromantik. Das ist Marktwirtschaft.

Die Bundeswehr leistet sich über 200 aktive Generale. Die lassen sich mit Lehrgängen wie am Fließband ausbilden. Ein Kommandosoldat lässt sich nicht am Fließband ausbilden. Er braucht drei Jahre Ausbildung und zehn Jahre Erfahrung, bis er das ist, was man im Einsatz braucht. Wer dieses Personal nicht angemessen bezahlt, hat den Wert nicht verstanden.

Was Geld im Alltag bedeutet

Ich will ehrlich sein: In meinen aktiven Jahren habe ich selten über Geld nachgedacht. Die Einsätze waren der Grund, warum ich da war. Nicht die Zulage. Wenn wir unterwegs waren, gab es nichts zu kaufen. Wenn wir zu Hause waren, gab es wenig Zeit, etwas auszugeben.

Das ändert sich mit dem Alter. Mit der Familie. Mit dem Blick auf das, was nach dem Kommando kommt. Ab einem gewissen Punkt fragt man sich, was die eigene Arbeit wert ist. Und man vergleicht. Mit dem Kameraden, der in die Privatwirtschaft gegangen ist. Mit dem Amerikaner, der nach 20 Jahren mit einer Pension geht und ein zweites Leben anfangen kann.

Die Bundeswehr verliert erfahrene Kommandosoldaten nicht, weil sie den Dienst nicht mehr wollen. Sie verliert sie, weil sie irgendwann rechnen.

Der Vergleich mit der privaten Sicherheitsbranche

Ein ehemaliger Kommandosoldat ist auf dem zivilen Markt viel wert. Personenschutz, Corporate Security, Krisenmanagement, Beratung. In diesen Feldern verdient ein erfahrener Mann mit dem richtigen Netzwerk ein Vielfaches seiner alten Besoldung. Nicht sofort und nicht automatisch. Aber der Markt bezahlt Erfahrung, die Bundeswehr bezahlt Dienstgrad.

Ich sage das nicht, um jemanden abzuwerben. Ich sage es, weil es die Realität ist, mit der die Bundeswehr konkurriert. Wer die besten Leute halten will, muss sie bezahlen wie die besten Leute.

Fazit

Das Gehalt beim KSK ist solide, sicher und für das, was verlangt wird, zu niedrig. Wer wegen des Geldes kommt, ist falsch. Wer trotz des Geldes kommt, hat verstanden, worum es geht. Aber irgendwann sollte niemand mehr trotz des Geldes bleiben müssen.

Christopher Wagner
Christopher Wagner

Über 16 Jahre Kommando Spezialkräfte, jüngster Truppführer der KSK-Geschichte, heute Sicherheitsexperte und Co-Autor von The Assaulter. Mehr erfahren.

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