Kampfschwimmer und KSM: Die Spezialkräfte der Marine erklärt

Deutschland hat zwei militärische Spezialkräfteverbände. Der eine, das Kommando Spezialkräfte in Calw, ist bekannt. Der andere sitzt an der Ostsee und ist deutlich älter: die Kampfschwimmer der Marine, seit 2014 organisiert im Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM). Dieser Beitrag erklärt, was öffentlich über Auftrag, Ausbildung und Bewerbung bekannt ist – und worin sich Kampfschwimmer und KSK unterscheiden.

Was ist das Kommando Spezialkräfte der Marine?

Das Kommando Spezialkräfte der Marine, kurz KSM, ist der Spezialkräfteverband der Deutschen Marine. Es wurde 2014 in Eckernförde aufgestellt und fasst die Kampfschwimmer mit den Kräften zusammen, die ihren Einsatz vorbereiten und unterstützen: Führung, Aufklärung, Logistik, Sanitätsdienst. Das KSM ist damit das maritime Gegenstück zum Kommando Spezialkräfte des Heeres.

Vorher waren die Kampfschwimmer Teil der „Spezialisierten Einsatzkräfte der Marine", in denen auch Minentaucher und Boarding-Teams zusammengefasst waren. Mit der Aufstellung des KSM wurde getrennt, was verschiedene Aufträge hat: Die Kampfschwimmer bilden seither den Kern eines eigenen Spezialkräfteverbandes, die übrigen Kräfte gingen in andere Verbände der Marine über. Unterstellt ist das KSM der Einsatzflottille 1.

Wer sind die Kampfschwimmer?

Die Kampfschwimmer sind die Kommandosoldaten der Marine – und die älteste Spezialkräftetruppe der Bundeswehr. Ihre Geschichte beginnt Ende der 1950er-Jahre: Die ersten deutschen Kampfschwimmer wurden 1959 bei den französischen Marinekommandos ausgebildet, weil die junge Bundesmarine noch keine eigene Ausbildung hatte. 1964 folgte eine eigene Kompanie. Das KSK entstand erst 1996 – die Kampfschwimmer hatten da schon fast vier Jahrzehnte hinter sich.

Ihr Abzeichen zeigt einen Sägefisch, ihr Leitspruch lautet „Lerne leiden, ohne zu klagen". Beides ist öffentlich bekannt und sagt mehr über die Truppe als jede Beschreibung: Es geht um Belastung über lange Zeit, nicht um den kurzen Moment.

Wo sind die Kampfschwimmer stationiert?

Die Kampfschwimmer sind in Eckernförde stationiert, einer Hafenstadt an der Ostsee in Schleswig-Holstein. Dort sitzt das Kommando Spezialkräfte der Marine, und dort findet auch ein großer Teil der Ausbildung statt. Der Standort ist seit Jahrzehnten derselbe.

Wie beim KSK in Calw ist der Ort fest mit der Einheit verbunden: Wer „Kampfschwimmer Eckernförde" sucht, meint fast immer genau diesen Verband. Die Bundeswehr informiert am Standort auch öffentlich über den Auftrag der Kampfschwimmer, ohne Einzelheiten zu Verfahren preiszugeben.

Welche Aufgaben haben die Kampfschwimmer?

Die Kampfschwimmer sind für Aufträge im, am und aus dem Wasser ausgebildet. Dazu gehören Aufklärung und Kampf im maritimen Umfeld – an Küsten, in Häfen, auf und an Schiffen –, das Entern von Schiffen, die Rettung und Evakuierung von Personen aus Gefahrenlagen sowie die Ausbildung und Beratung von Partnerkräften. Sie kommen vom Wasser, arbeiten aber nicht nur dort.

Der Unterschied zu konventionellen Marinekräften liegt im Ansatz, nicht nur im Element. Ein Kampfschwimmer nähert sich einem Ziel unbemerkt, unter Wasser, per Boot oder aus der Luft, arbeitet in kleinen Teams und ist auf sich gestellt, wenn etwas schiefgeht. Das erklärt, warum die Ausbildung so lang ist und warum nur wenige sie abschließen.

Konkrete Verfahren, Ausrüstung und Abläufe werden – wie beim KSK – nicht veröffentlicht und stehen deshalb auch hier nicht. Wie eine Spezialoperation grundsätzlich aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag zum Ablauf eines KSK-Einsatzes; die Grundsätze gelten für die Kampfschwimmer genauso.

Wie läuft die Ausbildung zum Kampfschwimmer ab?

Die Ausbildung zum Kampfschwimmer ist mehrjährig und beginnt mit einem Auswahlverfahren. Geprüft werden Tauchtauglichkeit, Schwimmen, Ausdauer, Kraft und – vor allem – die Fähigkeit, unter Kälte, Erschöpfung und Unsicherheit weiterzumachen. Wer besteht, durchläuft danach die eigentliche Kampfschwimmerausbildung mit Tauchen, Fallschirmspringen, Nahkampf und weiteren Spezialisierungen. Die Bundeswehr nennt öffentlich eine Größenordnung von rund drei Jahren bis zur vollen Einsatzbereitschaft.

Das Tauchen hat dabei einen anderen Stellenwert als in jeder anderen Truppe. Kampfschwimmer tauchen mit Kreislaufgeräten, die keine Blasen an die Oberfläche lassen, über lange Strecken und bei Nacht. Das ist keine Sportart, sondern die Grundlage dafür, unbemerkt an ein Ziel zu kommen. Dazu kommt das Fallschirmspringen, weil der Weg ins Einsatzgebiet oft aus der Luft führt.

Was das Verfahren mental verlangt, ähnelt dem beim KSK stark: Beständigkeit statt Tagesform, Verlässlichkeit im Team statt Ego. Der Beitrag zur KSK-Ausbildung beschreibt diese Anforderungen ausführlich – die Kampfschwimmer verlangen dasselbe, nur zusätzlich im Wasser.

Wie wird man Kampfschwimmer?

Kampfschwimmer kann man auf zwei Wegen werden: als bereits dienender Soldat über eine interne Bewerbung – oder direkt von außen. Die Bundeswehr bietet die Verwendung Kampfschwimmer auch Bewerbern an, die noch nicht Soldat sind, in der Laufbahn der Feldwebel. Das ist der wichtigste Unterschied zum KSK, das ausschließlich Soldaten mit mehreren Dienstjahren aufnimmt.

Direkt heißt allerdings nicht einfach. Wer von außen kommt, durchläuft zuerst die allgemeine Soldatenausbildung und dann dasselbe Auswahlverfahren wie alle anderen. Seit 2001 stehen alle Laufbahnen der Bundeswehr auch Frauen offen, die Kampfschwimmer eingeschlossen. Die Verpflichtungszeit ist lang, weil die Ausbildung teuer ist und sich für die Bundeswehr erst über Jahre rechnet.

Was verdient ein Kampfschwimmer?

Kampfschwimmer werden wie alle Soldaten der Bundeswehr nach Dienstgrad und Besoldungsgruppe bezahlt. Hinzu kommen Zulagen, die den besonderen Belastungen Rechnung tragen – für das Tauchen, das Fallschirmspringen und die Verwendung bei den Spezialkräften – sowie im Auslandseinsatz der Auslandsverwendungszuschlag. Ein eigenes „Kampfschwimmer-Gehalt" gibt es nicht.

Konkrete Beträge nennen wir hier bewusst nicht: Sie ändern sich mit jeder Besoldungsrunde und hängen von Laufbahn, Dienstzeit und Einsatzlage ab. Wer es genau wissen will, findet die aktuellen Tabellen auf den Seiten der Bundeswehr. Die Logik ist dieselbe wie beim Gehalt beim KSK.

Was ist der Unterschied zwischen Kampfschwimmern und KSK?

Kampfschwimmer und KSK sind beides militärische Spezialkräfte, aber mit verschiedenem Element, verschiedener Herkunft und verschiedenem Bewerbungsweg. Die Kampfschwimmer gehören zur Marine, sitzen in Eckernförde, existieren seit 1959 und sind für Aufträge im, am und aus dem Wasser ausgebildet. Das KSK gehört zum Heer, sitzt in Calw, existiert seit 1996 und deckt das Spektrum an Land ab.

Beim Weg hinein unterscheiden sich die Verbände deutlich: Zum KSK kommt man nur aus der Bundeswehr heraus, zu den Kampfschwimmern auch direkt von außen. In der Ausbildung liegt der Schwerpunkt der Kampfschwimmer auf Tauchen und Bewegung im Wasser, beim KSK auf dem Kampf und der Aufklärung an Land. Fallschirmspringen, Nahkampf und Führung in kleinen Teams gehören zu beiden.

Was gleich ist: der Auftrag im Kern. Beide Verbände sollen der politischen und militärischen Führung Handlungsoptionen eröffnen, die konventionelle Kräfte nicht bieten – von der Rettung deutscher Staatsangehöriger bis zur Ausbildung von Partnern. Und beide arbeiten im Einsatz zusammen, wenn sich Land und Wasser nicht sauber trennen lassen. Ob eine der beiden Ausbildungen „härter" ist, lässt sich nicht objektiv sagen; der Beitrag zur Frage nach der härtesten Spezialeinheit erklärt, warum.

Welche Einsätze sind bekannt?

Wie beim KSK unterliegen die Einsätze der Kampfschwimmer der Geheimhaltung. Öffentlich bekannt ist ihre Beteiligung an der Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias im Rahmen der EU-Operation Atalanta – ein Auftrag, der genau ihr Profil trifft: Schiffe, Küsten, Boarding. Ebenfalls öffentlich ist, dass Kampfschwimmer in Afghanistan eingesetzt waren, obwohl das Land keine Küste hat. Spezialkräfte werden nach Fähigkeit eingesetzt, nicht nach Element.

Über das Ob und den Rahmen entscheidet auch hier der Deutsche Bundestag im Rahmen der Mandate. Die Einzelheiten der Durchführung bleiben eingestuft. Das Spannungsverhältnis zwischen Geheimhaltung und parlamentarischer Kontrolle, das beim KSK regelmäßig diskutiert wird, gilt für die Kampfschwimmer genauso.

Kampfschwimmer, KSK und der Roman

The Assaulter ist ein Roman über das KSK, nicht über die Kampfschwimmer: Der Operator Alex soll in Kabul eine entführte Entwicklungshelferin befreien und erkennt, dass er selbst das Ziel ist. Geschrieben hat ihn unter anderem Christopher Wagner, der über 16 Jahre beim Kommando Spezialkräfte gedient hat. Das Handwerk, das im Buch beschrieben wird, teilen beide Verbände: die lange Vorbereitung, der kurze Moment, die Verantwortung danach.

Wer sich für Bücher aus dem Umfeld der deutschen Spezialkräfte interessiert, findet im Beitrag KSK-Bücher eine Übersicht realer Titel – von Erfahrungsberichten bis zur kritischen Gegenprobe.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kampfschwimmern und KSM?

Die Kampfschwimmer sind die Kommandosoldaten der Marine, das Kommando Spezialkräfte der Marine ist der Verband, in dem sie seit 2014 zusammen mit ihren Unterstützungskräften organisiert sind. Wer vom KSM spricht, meint den Verband; wer von Kampfschwimmern spricht, meint die Männer, die den Auftrag am Ende ausführen.

Wie viele Kampfschwimmer gibt es?

Die Bundeswehr veröffentlicht keine Personalstärke. Öffentlich bekannt ist nur, dass die Truppe deutlich kleiner ist als das KSK und dass pro Jahrgang nur wenige Bewerber die Ausbildung abschließen. Jede konkrete Zahl, die im Netz kursiert, ist eine Schätzung.

Sind Kampfschwimmer Spezialkräfte?

Ja. Die Kampfschwimmer sind Spezialkräfte im engeren Sinn – wie die Kommandosoldaten des KSK. Davon zu unterscheiden sind spezialisierte Kräfte wie Minentaucher oder Boarding-Teams, die eng mit ihnen zusammenarbeiten, aber keine Kommandoausbildung durchlaufen.

Kann man sich direkt als Kampfschwimmer bewerben?

Ja. Die Bundeswehr bietet die Verwendung auch Bewerbern von außen an, in der Laufbahn der Feldwebel. Wer bereits Soldat ist, bewirbt sich intern. In beiden Fällen entscheidet das Eignungsverfahren.

Quellen

Dieser Beitrag stützt sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Darstellungen, insbesondere auf die Angaben der Deutschen Marine und der Bundeswehr zum Kommando Spezialkräfte. Taktische Einzelheiten sind bewusst nicht Gegenstand dieses Textes.

Christopher Wagner
Christopher Wagner

Über 16 Jahre Kommando Spezialkräfte, jüngster Truppführer der KSK-Geschichte, heute Sicherheitsexperte und Co-Autor von The Assaulter. Mehr erfahren.

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